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Plädoyer für frühe Opioid-Therapie
Schmerztherapeuten sprechen sich für Aufweichung des WHO-Stufenschemas aus
FRANKFURT AM MAIN
(hem). "Moderne Schmerztherapie muss sich an den Mechanismen der Entstehung
und Chronifizierung von Schmerzen orientieren und darf sich nicht an einem
historisch begründeten, aber heute überkommenen Stufenschema festklammern."
Das forderte Tagungspräsident Dr. Gerhard
Müller-Schwefe beim Deutschen Schmerz- und Palliativtag in Frankfurt am
Main.
Die frühzeitige Applikation stark wirksamer Opioide dürfe Patienten nicht
vorenthalten werden, bloß weil sie im WHO-Stufenschema nicht vorgesehen ist,
so Müller-Schwefe.
Auch Dr. Johannes Horlemann, Allgemeinmediziner und Algesiologe aus
Kevelaer, sprach sich für eine Aufweichung des WHO-Stufenschemas aus. Er
verwies darauf, dass die bei verschiedenen chronischen Schmerzformen übliche
Therapie mit NSAR und Opioiden der WHO-Stufe 2 problematisch sei.
Retard-Opioide sind für alte Patienten gut geeignet.
Besonders für jüngere Patienten mit Bewegungsschmerzen sowie für ältere
multimorbide Patienten mit umfangreicher Begleitmedikation forderte er eine
gut verträgliche Therapie, die ein möglichst geringes Risiko von
Wechselwirkungen birgt. Nicht nur aufgrund des geänderten Risikobewusstseins
für NSAR, sondern auch wegen des guten Nutzen-Risiko-Verhältnisses stark
wirksamer Opioide sollte deren frühzeitige Anwendung in Erwägung gezogen
werden, so Horlemann.
Von Vorteil sei die Therapie mit Hydromorphon. Es bildet keine aktiven
Metaboliten und wird kaum über das Cytochrom-P450-System verstoffwechselt.
Dadurch ist das Risiko für unerwünschte Wirkungen gering. Die Substanz wird
sowohl renal als auch hepatobiliär eliminiert. Bei Patienten mit Nieren-
oder Leberinsuffizienz besteht keine Kumulationsgefahr. Übelkeit trete bei
etwa 3 bis 8 Prozent der Patienten auf - die Häufigkeit sei somit am
niedrigsten im Vergleich zu den anderen stark wirksamen Opioiden (Häufigkeit
etwa 15 bis 30 Prozent), betonte Dr. Wolfgang Schwarz vom Hospiz St.
Marianus in Bardowick bei einem Symposium von Janssen-Cilag.
Daher profitierten von einer Therapie mit retardiertem Hydromorphon vor
allem alte, multimorbide Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion und
reduziertem Leberstoffwechsel, Tumorpatienten und Patienten mit chronischen
Schmerzen, die Koanalgetika und weitere Medikamente benötigen, so Schwarz.
Erleichtert werde der Einstieg mit Hydromorphon mit der niedrig dosierten
Startdosis von 4 mg einmal täglich (Jurnista® 4 mg), so Horlemann. Zudem sei
mit dieser Dosis im Verlauf eine Feintitration möglich. Im Vergleich zu hoch
dosierten NSAR und WHO-Stufe-2-Opioiden sei die Therapie besser verträglich.
Zudem sorge die kontinuierliche Wirkstoff-Freisetzung des Präparats über 24
Stunden für gleichmäßige Plasmaspiegel und eine dauerhafte Analgesie bei
chronischen Schmerzen auch des Bewegungsapparates. |