Leid(t)faden für Schmerzpatienten
Informationsbroschüre für Betroffene, Angehörige und Interessierte

 
         

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In diesem Heft wird die Situation der Betroffenen geschildert. Neben Ratschlägen zum Umgang mit der Krankheit finden Sie Tipps zu vielen Problemfeldern, wie         Was ist Schmerz?

Schmerzen sind eine besondere Empfindungsart, die über Schmerzsinne (Schmerznerven) an das Gehirn gesendet werden und im Thalamus (Teil des Gehirns, hier befindet sich das Schmerzzentrum) verarbeitet werden. Die bewusste Schmerzempfindung entsteht erst durch eine weitere Erregung, und zwar in der Großhirnrinde. Dieses seelische Schmerzerlebnis stellt zusammen mit der körperlichen Schmerzempfindung den subjektiven Schmerz dar, dessen Intensität also nicht nur von der Art und Stärke des Schmerzreizes, sondern auch vom Schmerzerlebnis abhängt

Der Schmerz entsteht im Gehirn! 

Schmerzen sind keine Krankheit, sondern ein Alarm- und Warnsignal und geben dem Arzt Hinweise zur Krankheitserkennung! Sie können aber zu einer eigenständigen (Schmerz)- Krankheit werden. 

Wie entstehen  Schmerzen ?

Schmerzen haben immer bestimmte Ursachen, z.B. Entzündungen, Verletzungen, Prellungen, Verschleiß, und sind somit von der Medizin leicht zu behandeln.

Hier einige Beispiele:

Zahnschmerzen - der Zahnarzt diagnostiziert die Ursache des Schmerzes (z.B. Entzündung der Zahnwurzel, des Zahnfleisches oder Beschädigung des Zahns durch Karies u.s.w.) und nach der  Behandlung ist der Schmerz verschwunden.

Schnittwunden - der behandelnde Arzt versorgt die Verletzung, nach einigen Tagen ist die Wunde abgeheilt. Der Schmerz ist nach kurzer Zeit abgeklungen.

Brüche - auch hier sind, nach ärztlicher Behandlung, Schmerz und Schmerzursache nach einiger Zeit behoben.

So ließe sich die Aufzählung fortsetzen.

Aber warum gibt es dann chronische Schmerzen, wenn die Beseitigung der Schmerzen und ihrer Ursachen so leicht ist? 

Über Zeitdauer und Intensität von Schmerzen hat die Medizin Erfahrungswerte für fast alle Erkrankungen. Wenn die Schmerzursachen nicht innerhalb von 4 bis 6 Wochen zweifelsfrei diagnostiziert und behandelt werden, verselbständigt sich der Schmerz. Im Gedächtnis wird der Schmerz gespeichert und das Empfinden der Schmerzen wird weiterhin über die Schmerzleitbahnen gemeldet. Der Kranke kann also noch genau den oder die Schmerzpunkte lokalisieren. Als bekanntes Beispiel sei auf den "Phantomschmerz" hingewiesen.

Eine schnelle Beseitigung der Schmerzursache verhindert die Entwicklung des Schmerzgedächtnisses. 

Wenn die Schmerzursache 

-   bei starken degenerativen Veränderungen der  Wirbelsäule oder  des  Bewegungsapparates,

-   nach Bandscheibenvorfall, wenn die Nerven im Bereich der Wirbelsäule  zu stark geschädigt sind,

-   bei Erkrankungen durch verschiedene Ursachen, wenn Körper und Geist  betroffen sind und die Schmerzursache nicht weiter therapiert werden  kann oder nur  sehr schwer therapierbar ist,

-   wenn ein operativer Eingriff keine weitere Entlastung bringt,

nicht behoben werden kann, setzt das Schmerzgedächtnis ein. Das Schmerzgedächtnis kann nur mit großen Bemühungen, von Ärzten, Therapeuten und Patient gelöscht werden.

Umgang mit den Ärzten

Es ist unbestritten: SCHMERZEN, die Sie verspüren, sind  vorhanden, und Sie haben ein RECHT auf die bestmögliche Behandlung der Schmerzen. 

Regeln für die  Vorgehensweise bei Schmerzen die nicht einer Ursache zugeordnet werden können:  

1. Sprechen Sie mit ihrem behandelnden Arzt über die Möglichkeiten der Behandlung und das weitere Vorgehen bei und das weitere Vorgehen bei Diagnose und Therapie. Wenn Sie sich nicht richtig beraten und betreut fühlen, oder wenn der Arzt nicht auf Ihre Probleme eingeht, suchen Sie sich einen Arzt ihres Vertrauens und bitten Sie ihn um die Erstellung eines Diagnose- und Therapieplanes, denn es ist wichtig, dass Sie eine "zentrale Anlaufstelle" - den Arzt Ihres Vertrauens - für die Koordinierung und das Veranlassen weiterer Maßnahmen haben. Nur so können Doppeluntersuchungen und somit auch Risiken (z.B. die Strahlenbelastung durch Röntgen) für Sie vermieden und die notwendigen Untersuchungen, gezielt mit einem Bericht an den mit untersuchenden Arzt, veranlasst werden. Ihr Arzt sollte alles für  eine  schnelle  Diagnose der Schmerzursache unternehmen. Sie müssen ihn dabei in jeder Hinsicht unterstützen. Es wäre wünschenswert, wenn parallel ein Gespräch mit einem Psychotherapeuten oder einer ähnlichen Einrichtung erfolgt, damit Sie auf dem Weg der Suche nach der Schmerzursache Unterstützung und Begleitung haben.

2. Bedenken Sie. die Schmerzen und die Ungewissheit über den Verlauf Ihres weiteren Lebens üben einen enormen Druck auf Sie aus, besonders, wenn die Schmerzen Ihre Arbeits- und Lebensfähigkeit einschränken.

3. Nehmen Sie alle sich bietenden Möglichkeiten der Diagnose und der Therapie für sich in Anspruch und suchen Sie mit ihrem Arzt nach neuen Möglichkeiten.

4. Keine Therapie, die Sie mit Ihrem Arzt abgesprochen haben, ist abwegig. Es gibt viele Wege zur Heilung oder Linderung

5. Sie haben Ihr weiteres Leben in der Hand, ein Leben mit Schmerzen muss in vielen Fällen nicht sein.

6. Gehen Sie selbst gegen den Schmerz an, mit Schmerzbewältigungskursen, z.B. auf der Basis der kognitiven Verhaltenstherapie

7. Betäubungsmittel sind in der Schmerzbehandlung notwendig.Sie  werden davon nicht abhängig. Es tritt eine Gewöhnung ein, die  Sie aber nicht bemerken.

8. Mit chronischen Schmerzen muss das Leben neu organisiert werden, damit  der Schmerz nicht den Lebensablauf bestimmt.

9. Halten Sie Kontakt zu Ihrem Partner, Ihrer Familie und Ihrem Umfeld. Sozialer Kontakt ist sehr wichtig und stützt Ihren Lebensmut.

10. Wenn der chronische Schmerz von einem körperlichen Defekt verursacht  wird, denken Sie daran, der Defekt kann sich im Laufe der Zeit verschlimmern. Lassen Sie den Zustand von Ihrem Arzt beobachten.

11. Bitten Sie Ihren Arzt um regelmäßige Blutuntersuchungen, damit Mangelerscheinungen erkannt und behandelt werden.

12. Vermeiden Sie "Negatives Denken" und "Stress", lassen Sie begonnene Arbeit ruhen und gönnen Sie sich eine Pause. Vermeiden Sie Aggressionen gegen sich "selbst" und "Andere", da sonst die Schmerzen verstärkt auftreten können.

13. Kämpfen Sie um Ihre Lebensqualität, geben Sie nicht auf!

Der Schmerzpatient im Krankenhaus

Neben der ständigen ambulanten Betreuung durch den  Arzt wird auch oft eine stationäre Behandlungen in einem Krankenhaus erforderlich.

Jeder Schmerzpatient ritualisiert seinen Tagesablauf, d.h. er hat einen bestimmten Lebens-, Bewegungs- und Schlafrhythmus, ebenso sind bei  vielen  die Zeiten der Mahlzeiten und die Nahrungsmengen recht unterschiedlich festgelegt. Damit der Patienten nicht noch mit zusätzlichen Belastungen fertig werden muss, sollte es ermöglicht werden diesen Rhythmus beizubehalten.

Außer in Notfällen sollte der Schmerzpatient einen Krankenhausaufenthalt, in Abstimmung mit den Ärzten, genau planen, damit evtl. notwendige Maßnahmen, wie z.B. Medikamentenumstellung oder eine andere Dosierung, vorgenommen werden können.

Im Rahmen der Aufnahmeuntersuchung sprechen Sie mit den Ärzten und den Pflegekräften über die Problematik eines Schmerzpatienten. Erklären Sie, welche Maßnahmen bei Ihnen zum Umgang mit den Schmerzen gehören. Sprechen Sie bitte alle Punkte sachlich und genau an, denn nur so können die Angehörigen des Krankenhauses die entsprechenden Schritte einleiten. 

Für einen Außenstehenden ist  die Vorstellung  eines Lebens mit Schmerzen sehr schwierig und gerade der Personenkreis, der Ihnen helfen will, ist deshalb auf Ihre Angaben dringend angewiesen.

Soweit es der Betriebsablauf im Krankenhaus zulässt, werden alle versuchen, den Rhythmus des Patienten zu berücksichtigen.

Falls sich trotzdem noch Probleme ergeben, sprechen Sie diese mit den Ärzten und dem Personal offen an. Nur so kann Ihnen geholfen werden. Berücksichtigen Sie aber auch die Probleme der Ärzte, der Pflegenden und der Mitpatienten.

Der Aufenthalt im Krankenhaus dient Ihrer Gesundheit und ist kein Urlaub.

Behandlungsarten

1. Genaue Festlegung der Schmerzursache

2. Behandlung mit Medikamenten - Salben,  Tabletten / Pulver / Tropfen,  Zäpfchen,  Spritzen bei dieser Behandlungsform müssen mögliche Nebenwirkungen berücksichtigt werden. Wichtig ist das richtige Einnehmen der Medikamente mit Wasser. Es sei denn, die Gebrauchsanweisung schreibt etwas anderes vor. Die Einnahme mit Milch, Kaffee, Tee oder Fruchtsaft kann auf die Wirkung Einfluss haben.  Auch der richtige Zeitpunkt der Einnahme ist wichtig!

3. Unterstützende Therapien: - Massagen,  Wärme- / Kältebehandlungen,  Bewegungstherapie,  Akupunktur,  Psychotherapeutische Betreuung

 4. Unterstützende Therapien mit  Hilfsmittel:  Reizstrombehandlung (z.B. TENS),  Bestrahlung,  Ultraschall               

5. Unterstützung durch Ehe-/ Lebenspartner, - sowie Freunde und; Bekannte und das soziale Umfeld

6. Operationen / Chemo-Therapie

7. Nachsorge: Durch das Ändern der Lebensgewohnheiten kann stark auf die Krankheit eingewirkt werden, dazu gehört auch eine ausgewogene Ernährung, sowie das Vermeiden von Nikotin- und Alkoholgenuss. Die Selbstheilung wird durch viel Bewegung (soweit körperlich möglich) und das Eingehen auf das Schlafbedürfnis unterstützt. 

8. Krankheit anerkennen und akzeptieren: Die durch die Krankheit bedingten Veränderungen im täglichen Leben akzeptieren, dabei die Grenzen der Belastbarkeit austesten und erkennen. Das heißt: bewusst mit der Krankheit leben.

9. Aktiv bleiben - Kämpfen: Durch die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben aktiv bleiben und so der Vereinsamung den Kampf ansagen. Die Angebote von Vereinen und Gruppen wahrnehmen und in ihnen mitarbeiten. Abwechslung und  Ablenkung durch (gemeinsame) Ausflüge und Reisen schaffen.

Weitere Themen:

  • Medikamente und Nebenwirkungen

  • Wer hilft? oder wo bekomme ich Auskunft?

  • Die Ärzte und Kliniken der Region Osnabrück die Schmerzpatienten behandeln sind in einer Liste aufgeführt

 

 

Diese Broschüre, überarbeitete Auflage,  kann gegen einen Unkostenbeitrag von € 2,00 plus Porto unter

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Das Titelbild zeigt die Skulptur des Laokoon mit seinen zwei Söhnen im Kampf mit  zwei Seeschlagen. Eine Geschichte aus der griechischen Mythologie, in der der Vater (Laokoon) seine Söhne gegen einen Angriff verteidigt. Es stellt die Aufopferung, den Schmerz und den Tod dar.

 
       
       
       
       
       
       
       
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