Selbsthilfegruppe der Schmerzpatienten

 in Stadt und Landkreis Osnabrück

  Neue Osnabrücker Zeitung vom 16. September 2005
Rubrik: Osnabrücker Land

 
 


Mit der Pumpe den Schmerz ausgetrickst
Selbsthilfegruppe will Leid lindern

Wallenhorst (hpet)
Ein unglücklicher Sturz, die Folgen einer Operation oder schlicht zu wenig Bewegung. Chronische Schmerzen haben viele Ursachen. Und viele Menschen haben chronische Schmerzen. Für sie ist die Selbsthilfegruppe "Mit Schmerzen leben" die erste Anlaufstelle im Landkreis Osnabrück.

Dieter Barlag, erster Vorsitzender der Selbsthilfegruppe, lebt schon fast ein halbes Jahrhundert mit dem Schmerz. "1960 hatte ich einen Motorradunfall bei der Bundeswehr", erzählt er. Das war der Anfang von chronischen Beschwerden in der Hals- und Nackengegend. Auch eine Operation, während der ihm der Halswirbel künstlich versteift wurde, half nicht. Im Gegenteil: "Die Schmerzen wurden schlimmer statt besser."

Ohne Medikamente ging gar nichts mehr. Barlag war auf dem besten Weg zu einer Leberzirrhose. Die implantierte Medikamentenpumpe brachte die ersehnte Linderung. Dieses Gerät versorgt das Gehirn ständig mit einer geringen Dosis des Betäubungsmittels Morphin. Das wiederum sorgt dafür, dass das Schmerzgedächtnis ausgetrickst und der Patient zu etwa 70 Prozent schmerzfrei wird. "100 Prozent gibt es nicht", erklärt Werner Hackländer, 2. Vorsitzender der Gruppe.

Auch er leidet schon seit langem an chronischen Schmerzen im Lendenbereich, weil er in seinem Job als Außendienstmitarbeiter zu oft am Steuer saß und sich nicht ausreichend bewegte. Zehn Jahre schob er eine unausweichliche Operation vor sich her, bis sich schließlich erste Lähmungserscheinungen im Bein einstellten. Die OP kam, doch die Schmerzen gingen nicht. Auch er ist nun Pumpenträger.

Ihre Erfahrungen wollen die beiden Geplagten weitergeben an Menschen, denen es ähnlich ergeht. Nicht nur in ihrer Gruppe, sondern auch mit dem äußerst erfolgreichen "Leid(t)faden für Schmerzpatienten", den sie zusammen verfasst haben. Darin steht zum Beispiel, dass 600000 Patienten eine Spezialtherapie benötigen, aber meist viel zu spät dorthin überwiesen werden. "Dabei ist sogar gerichtlich festgestellt worden, dass kein Mensch in Deutschland unter Schmerzen leiden muss", sagen Barlag und Hackländer. Doch leider gebe es viele Ärzte, die sich nicht daran hielten.

In Osnabrück, einer "Hochburg" der Schmerztherapie, sei das lange Zeit anders gewesen. Durch den schmerzlichen Verlust eines anerkannten Therapeuten sehen die beiden diesen Status jedoch in Gefahr. Ein Ersatz muss her. "Da sind wir gerade am Kämpfen." Der fünfte Schmerztag am morgigen Samstag wird da sicherlich noch einmal für einen Schub sorgen.

5. Schmerztag: Von 9 bis 14 Uhr finden im Rathaus verschiedene Vorträge statt. Nach der Begrüßung um 9 Uhr referiert Prof. Dr. Winkelmüller zum Thema "Chronische Schmerzen und ihre Behandlungsmöglichkeiten". Um 11 Uhr geht es um das Thema "Funktionserhaltende Chirurgie an der Wirbelsäule". Um 12.30 Uhr steht die "Behandlung chronischer Schmerzen im interdisziplinärem Schmerzzentrum in Freiburg" im Mittelpunkt des Vortrags. Der Eintritt ist frei.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

zurück