Selbsthilfegruppe der Schmerzpatienten

 in Stadt und Landkreis Osnabrück

 


Bericht in der Neuen Osnabrücker Zeitung NOZ vom
22. Februar 1997, Rubrik Stadt Osnabrück

 
 

Schmerzhilfe geht unter die Haut

 

Patienten-Selbsthilfe: Medikamentenpumpen sind wirksam und preiswert

„Nach einer Umfrage unter Betroffenen gehen die Schmerzen mit einer Medikamentenpumpe um 80 Prozent zurück", sagt Dieter Barlag. Der Vorsitzende der Selbsthilfegruppe für Schmerzpatienten in Osnabrück muß es wissen: Auch er lebt mit einer implantierten  Medikamentenpumpe, einer Schmerzhilfe, die unter die Haut geht.

Während in früheren Jahren zur Schmerztherapie Leistungsbahnen durchtrennt wurden, haben sich heute weit schonendere Operationsverfahren wie die Rückenmarksstimulation oder Medikamentenpumpen etabliert.

Eine Medikamentenpumpe besteht aus einer etwa zwölf Zentimeter großen, runden Edelstahlkammer, die Schmerzmedikamente wie Morphine enthält. Sie wird unter der Bauchdecke implantiert. Von dort werden die Mittel über einen Schlauch, der unter der Haut verläuft, direkt ins Nervenwasser des Wirbelkanals geführt, je nach Schmerzstandort in den Rücken oder in die Hirnkammer.

Mit Gasdruck oder elektronisch, über Computer programmiert, wird in regelmäßigem Abstand die für den Patienten individuell nötige Dosis des Medikaments in das Nervenwasser gepumpt. Im Vergleich zur üblichen Verabreichung können die Schmerzmittel geringer dosiert werden, weil sie direkt ans Ziel gehen.

Die Kammer muß durchschnittlich alle vier Wochen aufgefüllt werden. Dies geschieht mit einer Injektion durch die Bauchhaut, die auch der Hausarzt vornehmen kann. Die elektronischen Pumpen haben eine Lebenszeit von vier bis fünf Jahren.

Etwa zwei Drittel der Medikamentenpumpen werden Patienten mit Wirbelsäulen­Schmerzsyndrom im Zusammenhang mit mehrfachen Bandscheibenoperationen eingesetzt. Diese Patienten profitieren von der kontinuierlichen Abgabe des Medikaments.

Für Karzinompatienten haben sich dagegen bedarfsgesteuerte Systeme besser bewährt. Hier kann der Patient bei Bedarf mit Druck auf ein Bedienfeld selbst die Medikamentenzufuhr steuern. 

Während schmerzgepeinigten Krebskranken das bedarfsgesteuerte System sofort implantiert werden kann, geht dem Einsatz der anderen Medikamentenpumpe eine Testphase mit umfangreicher Beratung vorher. Zunächst wird nur der Schlauch „eingebaut", die Pumpe wird über mehrere Wochen außen getragen. Während dieser Zeit wird die Medikamentengabe langsam gesteigert und die Belastung auch außerhalb des Krankenhauses zu Hause getestet. Die Pumpe wird erst nach erfolgreicher Erprobung implantiert. 

Die Beratung während der Testphase umfaßt eine intensive Aufklärung über Nebenwirkungen. Schwitzen und Übelkeit mit Erbrechen können ebenso auftreten wie psychologische Probleme, Impotenz ist möglich. Jeder Patient soll alles wissen, ehe er sich für die Pumpe entscheidet, betonen die Fachärzte. 

Vorbereiten auf den Eingriff und Erläuterungen über das Leben mit der Medikamentenpumpe sind Hauptaufgaben der Selbsthilfegruppe. Sie wurde im Oktober 1995 gegründet und dient dem Erfahrungsaustausch und der Kontaktförderung  zu anderen Selbsthilfeinitiativen, Ärzten, Therapeuten und Behandlungseinrichtungen. 

Einige Mitglieder beteiligten sich auch an einer Untersuchung über Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit von Medikamentenpumpen der Freiburger Universitätsklinik, die vor kurzem Ergebnisse bekannt gab. Beachtlich sind vor allem die Einsparungen: Die Medikamentenkosten sanken von 11 400 auf 1600 Mark pro Jahr und Patient. Für geringer benötigte ärztliche Behandlung und Betreuung mußten nur noch 900 statt vorher 4500 Mark aufgebracht werden. Pro Jahr und Patient konnten somit 13 400 Mark eingespart werden, wobei die Kosten für Pumpe und Implantation mitgerechnet sind. Nach Schätzungen hat jeder Schmerzpatient im Laufe seiner Krankheit 27 000 Tabletten und 1,3 Liter schmerzstillende Tropfen geschluckt.

Weil der bisherige Raum in der Tagesklinik an der Möserstraße für die Mitglieder zu klein geworden war, trifft sich die Selbsthilfegruppe nun jeden zweiten Montag im Monat in der Paracelsus-Klinik. Dies hat den Vorteil, daß auch Patienten teilnehmen können, die sich dort zur Vorbereitung auf die Implantation einer Medikamentenpumpe stationär aufhalten. Auf Anregung von Fachärzten der Neurochirurgie besuchen Mitglieder der Gruppe aber auch außerhalb der Treffen Patienten im Krankenhaus. 

Unsere Treffen finden jeden zweiten Montag im Monat statt. Weitere Informationen erteilt Dieter Barlag. Telefon 05407/4809. Über die Medikamentenpumpe informiert die Neurochirurgie-Abteilung der Paracelsus-Klinikunter Telefon 9 62 22 20, (S.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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